Setzt euch an unser Feuer, trocknet euren nassen Mantel und wärmt euch an einem heißen Met. Ihr seht aus, als wäret ihr weit gereist und habt bestimmt Spannendes aus der Welt zu berichten...
Das Strafgericht ist eine raidorientierte Gilde des Spiels "World of Warcraft", beheimatet auf dem Realm Rexxar. Wir begrüßen alle Besucher recht herzlich auf unserer Homepage.
Wenn ihr euch über unsere Gilde informieren möchtet, so könnt ihr dies im Arsenal oder über dieses Gildenvideo tun. Unsere bisherigen Raiderfolge sind unter diesem Beitrag einzeln aufgeführt, immer begleitet von einem kleinen unterhaltsamen Text.
Bewerbern und Interessenten unserer Gilde sei das Bewerbungsforum ans Herz gelegt. Hier erfahrt ihr alles Wissenswerte über uns, welche Regeln es gibt und in welchem Rahmen unsere Schlachtzüge statt finden, also alles, was für die Bewerbung relevant ist. Dort ist auch eine Bewerbungsvorlage zu finden, die euch die Arbeit bei einer Bewerbung erleichtert. Wenn ihr euch über unser Konzept bzw. unser Regelsystem informieren möchtet, so findet ihr alle notwendigen Informationen in der Navigationsleiste unter dem Menüpunkt Regeln. Die Ansprechpartner können unter dem Menüpunkt Schlachtzüge nachgeschlagen werden.
Viel Spass beim Stöbern!
Geschrieben von Sasunestra am Dienstag, 16. Januar 2007 - 17:47:18
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Das Rubinsanktum
um Abschluss des Rituals riss der Beschwörer ruckartig die Hände in die Höhe und rief wiederholt den Namen seines unheiligen Schutzpatrons. Unter wildem Geheul und infernalischem Zischen materialisierte sich eine vage menschenähnliche Gestalt im Inneren des Beschwörungszirkels. Das Wesen verharrte kurz, dann begann es zu sprechen. "Ihr ekelt mich an. Ihr und euresgleichen." Die Stimme des Dämons klang, als würde man mit Messerspitzen über eine Schiefertafel kratzen. Unweigerlich verzog der Beschwörer das Gesicht ob der Stimme, die in seinen Ohren schmerzte. Sogleich wich der Ausdruck auf dem Gesicht des Beschwörers Verwunderung. Er hatte diese Art Dämonen schon früher angerufen. Allerdings hatte noch nie einer das Wort an ihn gerichtet, schon gar nicht in so lästerlicher Weise. Wusste das Biest denn nicht, mit wem es hier zu tun hatte? Ein Adeptus major extraordnarius der renommiertesten Magiergilde des Landes! Wie konnte das Gezücht der Niederhöllen wagen ihm zu trotzen! Einige Herzschläge lang herrschte Stille in der Beschwörungskammer. "Ihr Menschen seid es, die krank sind, die ihr eurem blinden Ordnungswahn hinterherhechelt. Ihr seid ein Geschwür, dass von allem Besitz ergreifen will!" Der Dämon spie die Worte förmlich aus. "Allem wollt ihr eure Regularien aufzwängen. Stets braucht ihr Hierarchien, wollt die Natur in irgendwelchen Mustern und Abhandlungen in Regeln fassen, beschreiben, ja sogar bestimmen und überall dort, wo alles ist wie es ist greift ihr ein und schafft eure 'Ordnung'. Es gibt keine Ordnung! Wann seht ihr Gewürm das endlich ein?" Dem Beschwörer war das Gewäsch des Dämonen sichtlich zuwieder. Nun reichte es ihm und es platze aus ihm heraus. "Hört auf zu schwatzen und hört, was ich euch gebiete! Begebt euch augenblicklich in das Haus des Handelsherren Helmbrecht, sucht dort nach seinem Sohn Eremir und tötet ihn! Sofern er nicht anwesend ist, wartet in seiner Kammer und tötet ihn, sobald er heimkehrt! Und nun seht zu, dass ihr tut wie euch befohlen! Rapido!" Der Dämon machte keine Anstalten sich von der Stelle zu rühren. "Das sind ja gleich vier Wünsche auf einmal." Die Stimme des Dämons troff vor Spott. "Ihr und eure Befehle. Befehle! Pah! Ihr könnt nicht das in geordnete Bahnen zwingen, was bahr jeder Ordnung ist. Ihr könnt keine Befehle erteilen, wenn kein Befehlsempfänger zugegen ist." Wild kreisten die Gedanken im Kopf des Beschwörers. "Der Dämon wehrte sich gegen den Befehl? Wie kann das sein? Mir muss ein Fehler unterlaufen sein." Der Beschwörer blickte sich prüfend in der Kammer um, inspizierte die Beschwörungskerzen, wanderte dann mit seinem Blick über die bereitgestellten Donarien an den Dämon: Die abgeschlagene Hand eines Diebes, das mißgebildete Kalb einer Kuh, ein Korb voller verschimmelter Früchte. Es war alles so, wie es in dem Foliant gestanden hatte. Plötzlich wurde ihm eine Unregelmäßigkeit in den Kreidezeichnungen gewahr. Eine der Linien des Bannpentagrammes war nicht vollständig durchgezogen. Ein schlimmer Fehler! Der Beschwörer schluckte. An seinem geistigen Auge rasten die Geschehnisse der letzten Stunden vorbei. Als er das Pentagramm zeichnete hatte es an dieser Stelle an der Tür geklopft. Einige dreckige Straßengören hatten um ein paar Heller gebettelt. Nachdem er diese Blagen verscheucht hatte, hatte er sich wieder der Arbeit in seinem Keller gewidmet, aber die letzte Linie nicht mehr vollendet. Eine Nachlässigkeit, die ihn nun teuer zu stehen kommen würde. "Nun, mein kleiner Dämonenrufer. Jetzt wo ich schon einmal hier bin, möchte ich dir Deinen letzten Wunsch doch noch erfüllen. Ich kann einem toten Mann doch nicht den letzte Wunsch abschlagen, oder was meint ihr?" Der Beschwörer versuchte vergeblich, den Kloß in seinem Hals herunterzuschlucken. Unbekümmert fuhr der Dämon in seiner Rede fort. "Zumindest die Einzelheiten. Wie war das noch gleich? Töte jemanden, gehe irgendwohin, suche etwas und halte Wache. Nun, Wache halte ich hier, wo ich schon mal da bin." Die Worte hallten durch den Raum. Der Beschwörer war vor lauter Angst unfähig sich zu rühren. "So, genug gewartet! Suche etwas." Der Dämon legte nachdenklich die Hand an sein Kinn. "Ah, ich weiss was!" Der Dämon schien mitten in der Luft in etwas mit beiden Händen zu greifen, was den Augen der Sterblichen verborgen war. Es sah aus, als ob er mit seinen Klauen auf Widerstand stoßen würde, den er mit den messerscharfen Hornfortsätzen an den fingerähnlichen Gebilden zu durchstoßen suchte. Es schien, als würde er seine Finger in eine feste Masse bohren und nun began der Dämon, diese Masse mit aller Gewalt auseinanderzureißen. Muskelstränge spannten sich unter der Haut seiner Arme, zerissen mit einem trockenen Knall, ähnlich dem der Peitsche, um sich sofort wieder an anderer Stelle zu verbinden. Dem Beschwörer drehte der Anblick der berstenden Muskeln schier den Magen um. Der Dämon zerrte weiterhin an der unsichtbaren Masse und kurz darauf konnte man sehen, wie sich zwischen den Fingern der Schreckgestalt ein Riß auftat: Erst nur wenige Finger breit, dann immer größer. Innerhalb des Risses, der nunmehr auf die Größe eines Menschen angewachsen war, erkannte man das graue Wabern des Limbus, der Schicht zwischen den Welten. Der Dämon verharrte. Es schien, als würde die Zeit still stehen. Alsdann setze ein plötzlicher Sog ein, der alles Lebende umriß und unweigerlich in den Abgrund des Limbus zu reißen drohte. Der Beschwörer schrie und klagte, versuchte sich verzweifelt am Mobiliar festzuhalten, doch waren seine Bemühungen vergebens. Der Sog war zu stark, riss den Beschwörer vom Schrank los, an den er sich klammerte und zog ihn unbarmherzig über den Boden. Seine Fingernägel gruben sich verzweifelt in die hölzernen Dielen des Bodens, brachen jedoch unter der Last aus den Fingern. Feine blutige Spuren zogen sich über den Boden auf den Riss im Weltengefüge zu, als dieser den Beschwörer verschluckte. Von einem Moment auf den anderen verschwand der Riss wieder. Es war als wäre nichts gewesen. Der Dämon legte den Kopf schräg, griff sich mit einer Hand an die Schläfe und zog feste, so dass laut das Knacken der Knochen die Stille durchbrach. Er fletschte die Zähne und verzog den Mund alsdann zu einem jovialen Grinsen.Die Stimme des Dämons nahm einen schrillen Ton an. "Ei wo ist er nur? Ich kann ihn nicht finden." der Dämon tat, als würde er sich angestrengt umschauen und legte die klauenbewährte Hand an die Stirn, als würde er die Augen vor dem Sonnenlicht abschirmen wollen. "Wie schade." Einige Herzschläge Zeit verstrichen "Nun, irgendwohin gehen und jemanden töten, das schaffen wir auch noch." Entschlossenen Schrittes ging der Dämon durch die Tür der Kammer und verließ den Platz seiner Beschwörung.
Geschrieben von Camassea am Samstag, 04. April 2009 - 01:00:00
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Eiskronenzitadelle
chnellen Schrittes ging der Prinz vor dem Audienzzimmer des Vaters auf und ab, zum untätigen Warten verurteilt. Dabei war ihm das Anliegen so dringend und duldete für ihn keinen Aufschub. Geld hatte er sich leihen müssen! Er, der Sohn des Fürsten! Das geziemt sich nicht für einen Prinzen. Der eigene Vater hielt ihn zu sehr an der Kandarre. "Wie soll ich mich entfalten und meine Persönlichkeit festigen, wenn ich kaum mehr Gold in den Taschen habe als ein Gemeiner? Es wird nicht leicht sein, den Vorschlag bei dem Alten durchzubekommen. Er sitzt auf dem Staatssäckel als würde morgen der Krieg über das Land ziehen", die Worte schossen ihm Peitschenhieben gleich durch den Kopf. "Wenn er mir nicht gleich Eintritt gewährt, vergesse ich die Etikette und verschaffe mir Eintritt!". Entschlossen hielt er in seiner Bewegung inne. Er biss die Zähne auf die Unterlippe, streckte in einer angespannten Geste die Hand zur Türklinke und wollte zugreifen. In dem Moment wurde die Tür geöffnet. Die Hand des Prinzen zuckte unweigerlich zurück. Der Hofdiener war es, der den Prinzen nun den Weg in den Audienzsalon des Vaters bedeutete. "Der Fürst ist nun bereit, Euch zu empfangen." Seine Hand wies auf die zweite Tür zum Arbeitszimmer des Vaters. Ohne weitere Notiz vom Diener im Livree zu nehmen schritt er in das Zimmer des Vaters. Dieser saß vor einem Stapel fein säuberlich aufgetürmter Papiere. Eines davon hielt er in der Hand und untersuchte es akribisch mit einem Monokel. Der Prinz nahm missmutig zur Kenntnis, dass sein Vater die Akten nicht zur Seite legte, um seinen eigenen Sohn zu empfangen, so als sei ihm das Anliegen nicht wichtig. "Nun, mein Sohn, was ist euer Begehr?", brummte die sonore Stimme des Fürsten ohne von den Papieren aufzublicken. Der Prinz schluckte den Ärger darüber hinunter und gab sich Mühe, seiner Stimme keinen unwirschen Ton zu verleihen. "Vater, eure Majestät, ich will ohne Umschweife zur Sache kommen: Die mir zur Verfügung gestellten Geldmittel sind leider nicht ausreichend. Meine Ausgaben übersteigen den zur Verfügung gestellten Etat beträchtlich! Ich bin hier, euch um eine Erhöhung zu bitten. Es wäre eine Schande, wenn sich der Prinz Geld von Wucherern leihen müsste, Vater!". Die letzten Worte presste der Prinz mit Mühe heraus. "Nun, ihr erhaltet ein angebrachten Budget, will ich meinen. Wie kommt ihr zu der Annahme, die zur Verfügung gestellten Geldmittel seien nicht ausreichend?" Ohne eine Antwort abzuwarten fuhr der Fürst weiter fort. "Mich dünkt viel mehr, dass ihr über eure Verhältnisse lebt, Sohn." das letzte Wort hallte in mit einen spöttischen Unterton in den Ohren des jungen Prinzen wieder. "Aber Vater..." "Schweig", donnerte die Stimme des Vaters. "Ihr sollt euren Vater nicht unterbrechen. Ihr bekommt mehr Geld, als es für einen Mann in eurer Position nötig wäre und doch steht ihr nun hier und verlangt dreist nach mehr. Ihr verprasst eure Mittel mit Albernheiten, sage ich euch! War die zweite Sänfte nötig, die ihr euch kürzlich aus den feinsten Edelhölzern habt anfertigen lassen? Müssen eure 'Freunde' bei Hofe tatsächlich beständig mit Luxusgütern gewogen gehalten werden?" Das Wort 'Freunde' zog der Vater bewusst in die Länge und erinnerte den Prinzen daran, was er von seinem jovialen Umgang bei Hofe hielt. Nichtsnutze hatte er sie in früheren Gesprächen genannt. Sein Vater hielt wenig von Etikette und politischem Geplänkel, dass liess er seinen Sohn, der dies aus anderen Augen sah, nur allzu deutlich und bei jeder Gelegenheit spüren. "Behängt ihr nicht auch eure Angebete mit mehr Schmuck, als es sich ziemt? Und ich sage euch: zügelt euch! Haltet Maß! Übt euch in Bescheidenheit. Eure erste Pflicht gilt dem Land, nicht dem eigenen Vergnügen!" Kurze Zeit herrschte angestrengtes Schweigen. "Wenn das alles war...". Fassungslos musste der Prinz miterleben, wie ihn sein Vater behandelte wie ein unmündiges Kind. In der Tasche ballte er die Hand wütend zur Faust. Er setzte zu einer Antwort an, sog aber dann doch nur scharf die Luft ein. Er wusste, dass er verloren hatte. Der Vater war nicht umzustimmen, das war ihm nur zu klar geworden. Er machte auf dem Absatz kehrt und stürmte wutentbrannt aus dem Zimmer. Draußen stand der Diener im Livree und öffnete die Tür um den Prinzen herauszuführen. Der Diener wandte sich an den Prinzen: "Nun, wollte der Alte eurem Anliegen nicht stattgeben?" Verdutzt von der Dreistigkeit des niederen Personals blieb der Prinz stehen. Normalerweise würde eine so schändliche Rede nach einer Züchtigung förmlich schreien, doch der Prinz tat nichts dergleichen. Er wandte nur den Kopf zu dem Bediensteten hin. Dieser starrte ihm unverhohlen direkt in die Augen. Da war etwas Seltsames, etwas Unwirkliches in den Augen des Dieners. Wie ein glosender Mahlstrom sich windender Schwärze hielten ihn die Augen des Gegenübers gefangen. "Ist es nicht an der Zeit, dass jemand mit mehr Verständnis vom Leben und der Politik den Staatshaushalt führt", führte der Diener seine Frage fast wie beiläufig weiter aus. Der Prinz zögerte, wollte antworten, doch seine Zunge lag ihm trocken im Mund, unfähig sich zu regen oder gar zu widersprechen. "Das ganze Land leidet unter der Knauserigkeit eures alten Herren. Wem nutzt das Gold in den Schatzkammern, wenn es dort nutzlos herumliegt? Geld wurde gemacht um es auszugeben, meinst du nicht auch, Freund?" Das letzte Wort klang seltsam vertraut. "Ja", kam die zögerliche Antwort des Prinzen. "Aber, aber, junger Prinz. Antwortet der zuküftige Regent des Landes zögerlich auf Fragen?" "Nein", kam die Antwort schon selbstbewusster. "Na also. Wollt ihr dem Land nicht einen Dienst erweisen? Einen Dienst im Sinne aller?", fragte der Diener mit einem Anflug eines Lächelns auf den Lippen. "Natürlich!", antwortete der Prinz nun voll Selbstvertrauen. "Selbstverständlich will ich meinem Land dienen!" "Nun, dann wisst ihr, was zu tun ist." Der Diener griff in seinen Ärmel und zog eine lange gerade Klinge daraus hervor und fuhr mit dieser anerkennend durch die Luft. Er kniete sich vor dem jungen Prinzen hin und hielt ihm in ehrfürchtiger Geste die Waffe der Meuchler hin. "Ihr habt jetzt nur noch einen Herren, und dieser schickt euch diese Waffe. Ihr wisst, was zu tun ist. Jetzt oder nie." Ein kalter Hauch zog durch den Flur und liess die Öllampen aufflackern, begleitet von einem Geruch nach Schwefel und man meinte, in der Ferne Wimmern und Wehklagen vernehmen zu können. Ein aufmerksamer Beobachter hätte festgestellt, dass der Diener nicht einmal einen Schatten warf. Das alles nahm der Prinz jedoch nicht wahr. Wie in Trance ergriff er das Heft des Dolches, machte kehrt und ging auf die Tür des Audienzzimmers zu. Der Diener indes richtete sich wieder auf, lächelte dem Prinzen hinterher, begann zu lachen, steigerte sich in ein irres Kichern und löste sich langsam in Rauch auf, der sich in den Ritzen und Ecken des Schlosses verflüchtigte.
Geschrieben von Camassea am Freitag, 03. April 2009 - 01:00:00
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Kolosseum der Kreuzfahrer
it bebender Brust, nur noch stoßweise atmend, stand der Hünenhafte leicht gebeugt über seinem Widersacher. Dieser lag niedergestreckt im Sand der Arena, eine breite, klaffende Wunde zog sich vom Schulterblatt bis zur Brust, tief eingeschnitten ins Fleisch. In regelmäßigen Abständen quoll ein Schwall Blut hervor, ein Schwall, der von mal zu mal ein wenig kleiner wurde. Der Hünenhafte blickte seinem Kontrahenten noch ein letztes Mal in die Augen. Nicht Trotz, nicht Hass, nicht Wut, er las etwas anderes darin. Etwas Unbeschreibliches lag in dem Blick, den der Sterbende erwiderte. Spät erst erkannte der Hünenhafte was es war: Furcht. Die Angst vor dem nahenden Tod. Ob er in diesem Moment die Schwingen des Totenvogels hören konnte, der ihn über das Nirgendmeer brächte? Aber er musste sich nicht mehr lange fürchten, der Herzschlag, der das Blut stoßweise aus der Wunde presste, kam mehr und mehr zum Erliegen. Die Augen des einst so erbitterten Kontrahenten würden sich schließen, so oder so, egal wie das Urteil der Granden ausfallen würde, diesmal jedoch für immer. Diese Verletzung war nicht zu heilen, nicht einmal von den fähigsten Medici, die das Land hervorgebracht hatte. Nach allem was er dem Hünenhaften angetan hatte, hätte er sich eigentlich darüber freuen sollen. Doch kein solches Gefühl, nichts dergleichen wollte sich einstellen. Vielmehr war es Mitleid, vielleicht sogar Reue. Doch es blieb wenig Zeit darüber nachzudenken, galt es doch, nun an das eigene Leben zu denken. Der Gegner lag zwar überwunden im Staub zu seinen Füßen, aber die wahrhaft Mächtigen saßen in den Rängen und Logen der Arena. Einer der Granden, derjenige, der die heutigen Spiele hatte ausrichten lassen, erhob sich gemächlich von seinem Diwan, trat an die Balustrade heran und genoss das Tosen der Menge. Der Jubel galt ihm, dem Fettwanst, wie er sich in seiner Dekadenz rekelte, den Jubel auszukosten. Doch was hatte er schon getan? Hatte er sein Leben im blutigen Sand der Arena aufs Spiel setzen müssen? Nein! Er hatte lediglich die Dublonen für die Menschen gezahlt, die heute seiner Belustigung dienten. Ein Sklavenleben war nicht viel wert, das eines Gladiators niederen Ranges kaum mehr. Die wahren Helden der Arena, die Gladiatoren, hatten meist wenig Gewinn in dem Spiel, in dem das eigene Leben der Einsatz war. Der Hünenhafte durfte sich die aufwallende Wut nicht anmerken lassen. Verstohlen senkte er den Blick, so dass der feiste Kerl an der Balustrade es ihm als Demut auslegen würde. Der Grande ließ sich Zeit, das Urteil zu fällen. Der gierige Mob dürstete nach Blut, es wurden Rufe laut, den Besiegten zu richten. Jetzt und auf der Stelle. Es hatte nichts Heldenhaftes mehr, dem Gegner den letzten Stoß zu versetzen. Es war die Sensationslust, die den Pöbel dazu anstachelte, das Ende des Überwundenen zu fordern. Langsam, unendlich langsam streckte der Grande seinen rechten Arm aus und richtete den fleischigen Daumen seiner rechten Hand horizontal nach links. Er wartete noch ein wenig, bis das Tosen der Zuschauer einen Pegel erreichte, der in den Ohren schmerzte. Erst dann drehte er ruckartig das Handgelenk und ließ den Daumen zu Boden zeigen. Das Urteil war gefällt, ein Zögern würde den eigenen Tod bedeuten. Der Hünenhafte setzte sein Schwert an, holte aus und ließ die Klinge niedersausen. Er schloss seine Augen, um nicht dem Blick des Gerichteten begegnen zu müssen und spürte, wie seine Waffe auf Widerstand stieß, den diese jedoch mühelos überwand. Das Tosen des Publikums nahm er nur noch am Rande wahr, es klang leise, schal und dumpf in seinem Kopf wieder.
Geschrieben von Camassea am Donnerstag, 02. April 2009 - 01:00:00
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Ulduar
umpf dröhnten Schläge emsiger Spitzhacken durch das weitverzweigte Stollensystem der Zwergenbinge, das einen Ortsunkundigen gewiss zum Verhängnis werden würde. Doch sicherlich nicht dem kleinen Trupp Zwerge, der hier sein Tagwerk vollbrachte. Erst kürzlich wurde eine besonders vielversprechende Erzader entdeckt, die nun in drei Schichten kontinuierlich abgebaut wurde. In dem engen Stollen standen drei kräftige Zwerge direkt an der Felswand und trieben diesen mit mächtigen Schlägen Stück um Stück weiter in den harten Felsen. Zwei Ölfunzeln erhellten dabei die Szenerie und warfen flackernde Schemen an die umliegenden Wände. Dahinter sammelten fleißige Hände immer wieder die Brocken zusammen und luden diese auf kleine Karren auf, die wiederum von anderen Zwergen zur großen Esse in der Mitte der unterirdischen Zwergenstadt gekarrt wurden. Kurz vor Schichtwechsel bemerkte der mittlere der drei Zwerge, wie sich der Klang der Spitzhacke leicht änderte. Der Klang wurde tiefer und verriet, dass der Stollen bald in einen Hohlraum enden würde. Einer der hinteren Zwerge, der aufmerksam gelauscht hatte, griff sofort zu einem Tuch auf einem Gebilde, und entfernte es. Darunter war ein Vogelkäfig, dessen kleiner gelber Bewohner durch die plötzlich wechselnden Lichtverhältnisse zu einem Zwitscherkonzert animiert wurde. Der Zwerg hob den Käfig an und hielt ihn bereit, dass er diesen an den Vordermann übergeben könnte, sobald der Hohlraum angeschlagen wurde. Plötzlich hob der Vorderste Zwerg eine Augenbraue und hielt in der Bewegung inne. Das letzte Stück Fels, das er aus dem Berg geschlagen hatte, offenbarte eine dahinterliegende geziegelte Mauer. Er wusste genau, dass es hier keine verzeichneten Räume geben konnte, seine Vorfahren und deren Vorfahren hätten dies gewusst und verzeichnet. In gleichem Maße der Verwunderung über die jüngste Entdeckung wuchs allerdings auch die Neugier, welch geheimnisvolle Kammern hier nun auf den Entdecker warten würden. Mit unverhohlener Begeisterung umfasste er den Griff seiner Hacke fester und trieb die Hacke noch härter und schneller in das Gestein als zuvor, um den geheimnisvollen Raum möglichst schnell erkunden zu dürfen. So angepeitscht dauerte es nicht mehr allzu lange, bis ein faustgroßes Loch in die Ziegelwand geschlagen war. Von hinten wurde der Vogel in seinem Käfig angereicht und sogleich an den neu entstandenen Durchlass gehalten. Kurz hielten die Anwesenden den Atem inne, bis der Vogel auch nach einiger Zeit sein fröhliches Gezwitscher nicht einstellte und den Anwesenden so mitteilte, dass auch in dem Hohlraum genügend Luft zum Atmen vorhanden war. Es war nur noch eine Frage der Zeit, bis der Durchgang groß genug war, dass ein Zwerg hindurchschlüpfen konnte. Die Ehre, den Hohlraum als Erster in Augenschein nehmen zu dürfen, gebührte freilich dem Ältesten der Anwesenden. Dieser wiederum wies den Jüngsten unter ihnen an, in der Stadt von der Entdeckung zu erzählen und scheuchte ihn sogleich los, damit er nicht noch mehr Zeit mit offen stehendem Mund vertrödelte. Der Betagte nahm sich eine der Öllampen und trat in das Dunkel der Kammer. Es war bemerkenswert kalt in der Höhle und ein modriger Geruch wie von Schimmel stieg in seine Nase. Er stellte fest, dass er mit dem Licht der Laterne nicht die Decke der Kaverne erhellen konnte. Auch in die Tiefe konnte er keine abschließenden Wände ausmachen. Wie konnte ein Raum dieser Größe den weisen Vorvätern nur unbekannt geblieben sein, zumal ein Großteil der Wände mit Ziegeln ausgekleidet war? Demnach handelte es sich nicht um eine natürliche, sondern um eine behauene Höhle. Nun galt es diese zu erkunden. Nach und nach traten die anderen Zwerge auch herein und musterten die bearbeiteten Wände, um Mutmaßungen über deren Entstehung zu äußern. Einer der Zwerge hatte eine Blendlaterne entzündet, mit der ein gerichteter Lichtstrahl deutlich tieferen Einblick in das Dunkel versprach. Doch auch diese konnte weder Decke noch gegenüberliegende Wände erleuchten. Stattdessen reflektierten einige unbekannte Objekte in der Ferne ein paar der Lichtstrahlen. Neugierig traten die Zwerge näher darauf zu und konnten schließlich eine Statue immenser Größe ausmachen, die frei in der Kaverne stand und eine verzerrte humanoide Gestalt darstellte, die eine schmerzerfüllte Fratze aufwies und schützend die Arme vor sich verschränkt hielt. Umgeben war diese zum Entsetzen der Anwesenden von verfallenen Leichen längst vergangener Zeiten, von denen nur noch die Knochen und schmiedeeiserne Rüstungsteile die Jahre überdauert hatten. Bei näherer Betrachtung stellte man fest, dass die Toten in voller Rüstung und Bewaffnung gestorben waren, und dass es sich zweifelsohne um Zwerge handeln musste. Einer der Umstehenden begutachtete eine Axt, die er vom Boden aufgehoben hatte und wog diese prüfend in der Hand. Er nickte anerkennend über diese ehemals wirkungsvolle Waffe. Nun konnte man diese nicht mehr benutzen, der hölzerne Stiel würde den ersten Schlag nicht mehr überstehen. Einer der Anwesenden begann, die groteske Statue in Augenschein zu nehmen. Das verwendete Material konnte er trotz profunder Kenntnisse in allen hiesigen Gesteinsarten nicht einordnen. Ein kleiner Brocken Fels polterte in diesem Moment auf den Helm eines Toten am Boden, um von dort aus scheppernd über weitere Rüstungsteile zu poltern. Angstvoll blickten einige nach oben, ob die Kaverne im Begriff war einzustürzen und die Entdeckung wieder unter sich begraben würde. Das vermeintliche Bruchstück der Höhlendecke blieb vor dem Fuß des Ältesten liegen. Dieser bemerkte, dass es sich um ein Stück des dämonischen Bildnisses handelt. Er blickte nach oben um den Ursprung auszumachen und stellte mit Schrecken fest, dass an der Stelle des Bruchstückes eine Schwade schwarzen Rauches aus der Skulptur trat. In sekundenschnelle breitete sich der Riss weiter über die Statue aus und sprengte weitere Bruchstücke des seltsamen Gesteins ab, an deren Stelle sich ähnliche Rauchfahnen bildeten. Vor Schreck ließ einer der jüngeren seine Laterne fallen, die auf dem Boden zerbarst und eine Pfütze brennenden Öles hinterließ. Kurz darauf brachen weitere große Stücke aus der Skulptur und gaben eine lebendige Masse aus Rauch frei, die nach den Anwesenden zu greifen versuchte, jedoch noch in den letzten Resten der Statue festgehalten wurde. So laut er konnte, schrie der Älteste, dass alle nun ihr Heil in der Flucht suchen müssen. Als die ersten losrannten, bemerkte der Älteste, dass sich einer nicht von dem entsetzlichen Anblick lösen konnte und griff beherzt zu seiner Spitzhacke, um den umherpeitschenden Tentakeln aus Rauch entgegenzutreten. Er lief herüber und schlug wie wild um sich, erreichte den immer noch starren Zwerg und schlug ihm mit dem Handrücken ins Gesicht, um ihn wieder zur Besinnung zu bringen. Dieser rappelte sich auf, verdutzt, als wüsste er nicht wo er war und sah zu, wie der Oberkörper seines Mentors nach vorne überfiel, während sein Unterleib kurz stehen blieb und dann in sich zusammenfiel. Eine der Rauchtentakel hatte den Körper mühelos in der Mitte durchtrennt. Tränen schossen ihm in die Augen, doch wusste er, dass er nun nichts mehr für seinen Lehrmeister tun konnte und rannte los. Geistesgegenwärtig begannen die ersten Zwerge, die durch den Durchgang in den über die letzten Tage und Wochen erst getriebenen Stollen gelangten, die hölzernen Stützbalken mit den Spitzhacken zu durchschlagen. Weitere Zwerge, die den Stollen erreichten, begriffen, dass in diesem Unterfangen die einzige Hoffnung auf das Überleben der Sippe lag. Sie konnten beobachten, wie ihr alter Lehrherr im Schein der brennenden Pfütze leblos zusammensackte, und wie einer der jüngeren daraufhin panisch in ihre Richtung losrannte. Hinter ihm brach die Statue nun vollends auseinander und gab eine Kreatur frei, die keine Form zu besitzen schien: Wie lebendiger Rauch mutete das Wesen an, das nun einzelne Tentakel bildete und dem Flüchtenden hinterher warf. Einige verfehlten ihr Ziel und verpufften in dem Moment, in dem sie auf den steinernen Boden trafen. Doch einer der Fäden durchdrang den linken Oberschenkel des Zwerges und durchtrennte diesen. Unter grauenerregendem Geschrei stürzte der Getroffene zu Boden und zog sich verzweifelt mit den Armen weiter in Richtung des Durchschlupfes. Wie von Sinnen versuchter er Halt zu finden, merkte nicht einmal mehr, wie sich einer seiner Fingernägel in einer Fuge im Boden verkantete und abriss. Hinter ihm bäumte sich die Gestalt über dem Feuer auf und ließ sich darauf fallen, woraufhin die Flammen augenblicklich erstarben. Nachdem das Wesen die Flammen geschluckt hatte, erkannte man zwei glühende Punkte, wie von Feuer, die wie dämonische Augen anmuteten. Damit blickte es nun auf die Zwerge, die versuchten, die Stützbalken zum Einsturz zu bringen. Wie rasend schlugen diese auf das massive Holz ein. Das Wesen indes machte sich über den Körper des Ältesten her, löste das Fleisch von den Knochen und labte sich an dem Grauen der Umstehenden. Wenige Augenblicke später waren nur noch die Knochen im schummerigen Licht der brennenden Dämonenaugen zu erkennen. Währenddessen hatte der erste der Zwerge einen Stützbalken durchschlagen und gebot seinen Mitstreitern zur Eile. Das Wesen hatte indes den schwer Verwundeten erreicht und begann ihm bei lebendigem Leibe ebenfalls das Fleisch von den Knochen zu schälen. Von dem grässlichen Geschrei des Sippenmitgliedes beflügelt, durchschlug der letzte der Zwerge den Stützbalken. Als nun alle Anwesenden auf die umliegenden Stollenwände einschlugen, zollte das Rumoren des Gesteins davon, dass dieser Stollen nicht mehr lange Stand halten würde. Der Älteste der verbleibenden Zwerge befahl dem Jüngsten nun, in der Stadt von den Geschehnissen zu berichten. Dieser wusste, dass er seine Freunde zum letzten Male sah und nickte anerkennend in die Runde, drehte sich um und lief so schnell er konnte. Hinter sich hörte er kurze Zeit darauf, wie ein mächtiger Einsturz den gesamten Berg erschütterte und seine Freunde unter sich begrub. Sie hatten ihr Leben für die Sippe geopfert.
Geschrieben von Camassea am Mittwoch, 01. April 2009 - 01:00:00
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Das Auge der Ewigkeit
ie Alte wachte aus ihrem Dämmerschlaf auf, als es plötzlich dunkel in der kleinen knarrenden Kate wurde, obwohl es lichter Tag sein müsste. Die Knochen hatten ihr bereits verraten, dass etwas Einschneidendes auf die Küstenregion der südlichen Halbinsel zukommen wird. Aber leider nicht, was es sein wird. Nun, die Alte war gewarnt. Zwecklos wäre es gewesen, die unheilvolle Kunde im Dorf zu verbreiten. Als arme Irre hätte man sie beschimpft oder vielleicht gleich auf den Scheiterhaufen werfen lassen. "Soll das ungläubige Pack nur sehen was es davon hat." dachte sie sich. Ächzend erhob sie sich und schlurfte zur Fensterluke herüber, bemüht, die letzten Überreste der Müdigkeit abzuschütteln. Ein muffiger alter Stofffetzen sollte die Kälte draußen halten; Geld für eine Fensterscheibe aus kostbarem Glas hatte sie selbstverständlich nicht. Als sie an das Fenster herantrat und nach oben blickte, zuckten Blitze über den rabenschwarzen Himmel und ließen ahnen, was die Knochen ihr mitteilen wollten. Just in diesem Augenblick konnte die Alte sehen, wie sich ein Loch in den Wolken auftat und begann einem knorrigen Auswuchs zum Erdboden auszustrecken. Der Wind nahm merklich zu und wirbelte Laub und kleineren Unrat umher. Innerhalb weniger Herzschläge wurde aus dem Rauschen des Windes ein lautes Brausen. Immer größere Fragmente nahm der Wind auf und wirbelte sie umher. Die hölzernen Fensterläden der Kate begannen wild in ihren rostigen Scharnieren hin und her zu flattern. Die buckelige Alte ergriff den Stock, der unweit vom Fenster an einem staubigen Regal lehnte und begann hektisch in den absonderlichen Utensilien zu suchen; das zunehmende Klappern der losen Holzlatten gebot zur Eile. Zwischen eingelegten Spinnenbeinen, getrockneten Eidechsenschwänzen und ähnlich abstrusen Materialien fand sie schließlich, was sie suchte. Sie nahm drei daumenkuppengroße bunte Steine aus dem Regal und hielt diese mit zusammengekniffenem Auge prüfend über die flackernde Kerze, die auf dem Tisch stand. Ein kalter Windstoß pfiff sodann durch die Hütte und löschte die Flamme. "Das sind die richtigen, jaja." sagte die Alte zu sich selbst und blickte sich wie von Sinnen im Raum um. Mit hakeligen Bewegungen griff sie noch den alten Lumpenfetzen vom Stuhl und warf ihn sich über die Schultern, um sich sogleich nach draußen zu begeben. Kaum hatte sie die klapprige Tür der Kate geöffnet, erfasste sie eine Bö, riss den Lumpenfetzen von ihren Schultern und trug ihn außer Sichtweite. Der Sturm hatte schnell an Stärke gewonnen und man konnte in der Ferne sehen, wie die Windhose heranraste und alles zermalmte, was sich ihr in den Weg stellte. Schnell stakste die Alte weiter auf eine gelegentlich genutzte Feuerstelle zu und stieß fahrig die größeren Brocken beiseite, die der Sturm noch nicht fortgerissen hatte. In die Mulde warf sie einen der drei Steine, die sie zuvor aus der Kate mitgebracht hatte und vergrub ihn einige Finger tief im Boden. Anschließend bewegte sie sich auf eine weitere kleine Feuerstelle zu, die schon fast vom nahen Wald überwuchert war. Auch hier vergrub sie einen der übrigen 2 Steine. Ein entwurzelter Dornbusch riss ihr im vorbeifliegen blutige Schrammen in die Haut und warf die Alte zu Boden. Kostbare Sekunden vergingen in denen sie sich mühsam aufrappelte und mit zusammengebissenen Zähnen auf die letzte der drei Feuerstellen konzentrierte. Kurz bevor sie diese erreichte, begann die alte Kate schauerlich zu knarren und die Fensterläden schlugen wild von einer auf die andere Seite. In diesem Moment, brachen die rostigen Scharniere eines Fensterladens und der Wind erfasste das lose Stück sogleich. Die Alte sah das schwere Holzstück heranrasen und konnte gerade noch einen Arm schützend vor das Gesicht heben. Natürlich konnte der ausgemergelte Arm nichts von der ungeheuren Wucht des Aufpralls aufhalten. Nach dem Einschlag stürzte die Alte reglos zu Boden. Aus der halb geöffneten Hand rollte der letzte der drei Steine direkt in die vorgesehene Stelle am Boden.
Geschrieben von Camassea am Dienstag, 31. März 2009 - 01:00:00
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Naxxramas
ach Stunden des Wartens hatten sich die Augen des Hageren an die Dunkelheit gewöhnt. Reglos verharrte er auf dem Totenacker, verborgen hinter einer Trauerweide, deren Blätter der Wind ein wehleidiges Säuseln entlockte. Hier saß er und starrte angestrengt in die Dunkelheit, horchte auf jedes Geräusch, dass die klamme Stille durchbrechen könnte. Der Hagere hatte den Dienst im Tempel des Totengottes vor vielen Jahren angetreten und fühlte sich, so seltsam dies auch klingen mag, geborgen. Er schätze die Stille und die Geborgenheit, die ihm dieses Leben in Einsamkeit bescherte. In den letzten Wochen sorgte allerdings eine Reihe von Grabschändungen für helles Aufsehen. Dies waren ungeheuerliche Freveltaten, die nicht ungesühnt bleiben durften. Da wurden nächtens Gräber aufgewühlt und den darin verwahrten Leichen ganze Gliedmaßen oder auch nur einzelne Stücke des Körpers entnommen. Der ausgezehrt wirkende Totengräber diente alleine dem Tempel. So musste er sich auch alleine auf die Lauer legen, um den Grabschändern das Handwerk zu legen. Vermutlich waren es Leichenfledderer, die die erbeuteten Körperteile an verschrobene Scharlatane verkauften, die abscheuliche Experimente damit anzustellen wussten. Er hockte nun schon einige Nächte hier und es fiel ihm von Mal zu Mal schwerer sich auf die Umgebung zu konzentrieren. Ein brechender Zweig ließ die bleierne Schwere, die sich über seine Gedanken zu legen gedachte, jäh verpuffen. Aufgeschreckt von dem Geräusch, nun hellwach, drehte er seinen Kopf langsam in die Richtung, aus der es erklungen war. Eine Nebelschwade zog dort zwischen den beiden alten Birken hindurch, ließ die Ursache des Lautes jedoch nicht erkennen. Unter lautem Flattern nahm ein kleiner Kauz Reißaus; vor Schreck wagte der Totengräber nicht einmal mehr zu atmen. Nach einigen quälenden Herzschlägen, die sich wie Ewigkeiten erstreckten, schälte sich eine zerlumpte Gestalt aus dem Nebel und hielt schnurstracks auf eines der Gräber zu, dessen aufgeschüttete Erde noch frisch war. Nun war die Zeit gekommen, den Verbrecher zu stellen. Mit einem beherzten Satz sprang der Hagere aus seinem Versteck hervor und lief zu der Gestalt mit der zerfetzten Kutte, die bereits begonnen hatte, in der Erde zu graben. Der Kleidung nach zu urteilen bekam diese einen kargen Lohn für ihre abscheulichen Dienste. Noch hatte sie ihn nicht bemerkt und es gelang ihm, direkt hinter ihr zum Stehen zu kommen. Mit einem Ruck fasste er sie an der Schulter und riss sie herum... Der Anblick ließ ihm das Blut in den Adern gefrieren. Nicht etwa einen Grabschänder hat er hier auf frischer Tat ertappt, sondern nun starrte ihn eine Kreatur aus ihren toten Augen an, deren Existenz er bis zu diesem Moment geleugnet hätte. Eine halb verfaulte Fratze aus der sich unablässig Maden hervorschälten, blickte ihn aus ihren leeren Augenhöhlen an. Kurz konnte er die unstillbare Gier in den ledrigen Zügen des Geschöpfes erkennen, so als ob ihm das Schicksal nun eine noch schmackhaftere Beute als den Kadaver im Grab zugedacht hätte. Starr vor Schreck war der Hagere nicht im Stande mehr zu tun als zuzusehen, wie der Ghul immer wieder mit seinen krallenbewährten Klauen nach ihm schlug, spürte, wie es ihm Muskeln und Sehnen durchtrennte bis die sehnsüchtig erwartete Stille seinen Geist umspülte und endgültig mit sich fort riss.
Geschrieben von Camassea am Montag, 30. März 2009 - 01:00:00
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Das Obsidiansanktum
er letzte Akkord der Hymne hallte noch durch den gigantischen Marmorsaal, als ein tosender Applaus von der Galerie erschallte, dem Spielmann Anerkennung zu zollen. Unter brausendem Jubel verbeugte er sich vor der hoheitlichen Gästeschar, winkte den Applaudierenden in den Rängen und vergaß auch nicht, wie es die Etikette gebührte, die vornehm gekleideten Damen mit einem höflichen Knicks zu bedenken. Dabei ließ er seinen Blick durch den imposanten Raum streifen, beeindruckt, vor solch gewähltem Publikum gespielt haben zu dürfen. Als der Spielmann die Bühne zu verlassen gedachte, hob der König die Hand und innerhalb von wenigen Herzschlägen verstummte der Applaus, wich einer drückenden Stille. "Nun, Spielmann, ein vortreffliches Werk habt ihr da vorgetragen. Sagt an, wie kamet ihr darauf, was war eure Inspiration? Entspricht es wahren Begebenheiten oder entsprang dieser Epos eurer Fantasie?" brach der König die Stille. "Euer Majestät, sowahr ich hier stehe, so hat sich all dies tatsächlich zugetragen." erwiderte der Spielmann nun etwas schüchterner. Seine Werke konnte er mit Inbrunst vortragen, dies war sein Handwerk, doch mit leibhaftigen Königen reden gehörte nicht zu den alltäglichen Geschäften eines Sängers und Lautenspielers. "Nun wollt ihr mir auch berichten, um wen es sich dabei handelt? Diese Recken, an Tapferkeit kaum zu übertreffen, haben mein Interesse geweckt." "Nichts lieber als das, euer Majestät..."
Geschrieben von Camassea am Sonntag, 29. März 2009 - 00:00:00
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Archavons Kammer
rst rezitierte der Gottgeweihte die Zeilen nur leise, die ihm damals der Weise im Tempel beigebracht hatte. Dabei steigerte er sich mit der Zeit in seiner Lautstärke um schlussendlich dem Scheusal mit flammendem Herzen die geheiligte Litanei entgegenzuschreien, die den Unhold vernichten sollte. Ein ohrenbetäubender Lärm erfüllte den Raum, so dass man nur noch die Stimme des Gottgeweihten vernahm. Ringsherum zog Nebel auf, es war als ob die Hölle selbst einen Spalt öffnen wollte, die Anwesenden zu verschlingen. Mit einem lauten Knall zerrissen die astralen Fäden, die das Konstrukt zusammenhielten, so dass es in sich zusammenbrach und sich nie wieder regte.
Geschrieben von Camassea am Samstag, 28. März 2009 - 00:00:00
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Sonnenbrunnenplateau
etallisches Klirren erfüllte die Akazienallee und hallte von den umliegenden Gebäuden wider, als ein Krieger über die gepflasterte Straße schritt. Einzelne Lichtstrahlen des wolkenlosen Sommerhimmels brachen sich an seiner goldenen Brünne und warfen tanzende Lichtflecken auf das Kopfsteinpflaster, während der Breitschultrige gemessenen Schrittes auf den Tempel am Ende der Allee zuhielt. Einige Straßenkinder hielten ehrfurchtsvoll in ihrem Spiel inne, um den mächtigen Krieger zu beobachten, wagten es jedoch nicht, ihn auf seinem Weg aufzuhalten. Nachdem der mächtige Streiter das metallene Eingangstor zum Tempel passierte, fiel sein Blick sogleich auf die riesenhafte Steinstatue, die die Göttin des Zweikampfes symbolisierte. Mit erhobenem Schwert stand sie da und warf den Betenden einen herrischen Blick zu, der kein Verzagen duldete. Eine Windbö zerzauste sein Haar. Niemand außer ihm war hier um zu beten. Ehrfurchtsvoll ließ er sich auf die Knie sinken. Nein, er hatte nicht verzagt. Er war mit all seinen Getreuen ausgezogen und siegreich zurückgekehrt. Die Göttin konnte stolz auf ihn und die Seinen sein. Und sie war es.
Geschrieben von Camassea am Freitag, 27. März 2009 - 00:00:00